SAP Core Data Services (CDS)
Das Herzstück der modernen SAP-Architektur
Die digitale Transformation und der Umstieg auf SAP S/4HANA haben die Art und Weise, wie Daten in SAP-Systemen verarbeitet werden, grundlegend verändert. Für Finanzdienstleister, die täglich riesige Datenmengen bewältigen, reicht es nicht mehr aus, Daten nur zu speichern und nach Datenreplikation in anderen Systemen zu analysieren. Sie müssen in Echtzeit analysiert und für moderne Oberflächen wie SAP Fiori verfügbar gemacht werden.
Die Lösung: SAP Core Data Services (CDS).
CDS-Views sind weit mehr als nur einfache Datenbank-Views. Sie bilden das Fundament des Virtual Data Model (VDM) und sind der zentrale Baustein für das Programmiermodell von SAP S/4HANA (RAP und CAP).
Was macht SAP CDS so besonders?
Im Vergleich zu klassischen Datenbank-Views findet bei CDS-Views ein Paradigmenwechsel statt: Code-to-Data. Statt Daten mühsam in den Applikationsserver zu laden und dort zu berechnen, wird die Logik direkt auf die leistungsstarke SAP HANA Datenbank verlagert.
Die SAP CDS-Technologie zeichnet sich durch drei Kerneigenschaften aus:
- DDL (Data Definition Language): Definition von Tabellenstrukturen und Beziehungen (Associations), die weit über klassische Joins hinausgehen.
- QL (Query Language): Komplexe Datenabfragen mit Aggregationen, Filtern und Berechnungen direkt auf Datenbankebene, die über das klassische SQL hinaus erweitert wurden.
- DCL (Data Control Language): Ein integriertes Berechtigungskonzept, das sicherstellt, dass Nutzer nur die Daten sehen, für die sie berechtigt sind – direkt in der Query verankert.
Die Vorteile für Smart Finance Unternehmen
Für Finanzdienstleister bieten CDS-Views entscheidende strategische und technische Vorteile:
- Echtzeit-Reporting: Keine zeitaufwendigen Extraktionen in externe BI-Systeme mehr. Analysen erfolgen direkt auf den operativen Daten.
- Semantische Anreicherung: Durch Annotationen verstehen die Tools (wie SAP Fiori), wie die Daten darzustellen sind (z.B. als Grafik, Währung oder Datum), ohne dass zusätzlicher Frontend-Code geschrieben werden muss.
- Wiederverwendbarkeit: Einmal definierte CDS-Views können in ABAP-Programmen, in OData-Services für Fiori-Apps oder in Analytics-Tools (wie der SAP Analytics Cloud) gleichermaßen genutzt werden.
- Sicherheit & Compliance: Durch die Data Control Language (DCL) werden regulatorische Anforderungen an den Datenschutz (DSGVO) direkt im Datenmodell technisch erzwungen.
Integration in die Systemlandschaft
CDS-Views fungieren als Brücke zwischen der Datenbank und den modernen Anwendungen:
- OData & SAP Fiori: CDS-Views bilden die Basis für OData-Services, die moderne, webbasierte Benutzeroberflächen mit Daten versorgen.
- Embedded Analytics: Mit CDS-Views können komplexe Kennzahlen (KPIs) direkt in S/4HANA visualisiert werden, was die Entscheidungsfindung für das Management beschleunigt.
- SAP FPSL & FSDM: In spezialisierten Finanzlösungen wie dem Financial Products Subledger spielen CDS-Views eine Schlüsselrolle bei der Harmonisierung und Abfrage der Finanzdaten.
SAP FSDM & FPSL: CDS-Views als Enabler der Datenintegration
In spezialisierten Finanzlösungen wie der SAP Financial Services Data Platform (FSDP/FSDM) und dem Financial Products Subledger (FPSL) spielen CDS-Views eine Schlüsselrolle bei der Harmonisierung und Abfrage von Finanzdaten. Das bereitgestellte Integrationsszenario verdeutlicht dies am Beispiel der Datenübernahme aus SAP Loans Management (FS-CML):
- Effiziente Datenextraktion via ODP: CDS-Views bilden die Basis für die moderne Inbound-Integration in das FSDM. Über das Operational Data Provisioning (ODP) Framework ermöglichen sie den Zugriff auf komplexe Darlehens- und Transaktionsdaten (wie Stammdaten aus VDARL oder Zahlungsströme aus VDBEPP).
- Intelligente Delta-Logik: Dank integrierter Change-Data-Capture (CDC) Funktionalität erkennen CDS-Views automatisch neue, geänderte oder gelöschte Datensätze. Dies ermöglicht eine hochperformante Replikation in Echtzeit oder als Batch, ohne das Quellsystem unnötig zu belasten.
- Automatisierte Transformation & Mapping: Bevor die Daten in die Zieltabellen des FSDM fließen, ermöglichen CDS-basierte Strukturen ein direktes Feld-Mapping und technische Validierungen (z. B. Mapping-Checks für Vertragstypen oder Währungsumrechnungen).
- Sicherheit & Datenschutz durch Design: CDS-Views im FSDM unterstützen fortgeschrittene Security-Konzepte wie Data Masking. So können sensible Informationen (z. B. Geschäftspartner-IDs) für unberechtigte Nutzer automatisch durch Platzhalter (Sterne) ersetzt werden, während autorisierte Rollen die unmaskierten Daten sehen. Zudem wird über spezielle Filter sichergestellt, dass Daten von Geschäftspartnern am „End of Purpose“ nicht repliziert werden.
Praxis-Szenario: Integrierte Darlehensverwaltung
Durch den Einsatz von CDC-fähigen CDS-Views können Finanzdienstleister ihre CML-Daten aus dem FS-Bereich nahezu verzögerungsfrei in das zentrale FSDM-Datenmodell überführen. Fehlerhafte Datensätze werden dabei über automatisierte Statusmonitore (StatusOverview) sofort erkannt und können gezielt reprozessiert werden, was die Datenqualität für das regulatorische Reporting (z. B. nach IFRS 9 im FPSL) massiv erhöht.
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