SAP CMS - Sicherheitenverwaltung im Banking-Umfeld

Historische Einordnung und Systementwicklung

Das Modul SAP Collateral Management (SAP CMS) ist die zentrale SAP-Lösung zur Verwaltung, Bewertung und regulatorischen Anrechnung von Kreditsicherheiten im Bankenumfeld. Es ermöglicht eine strukturierte, systemübergreifende Sicherheitensteuerung über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Historisch war die Sicherheitenverwaltung Bestandteil von SAP CML. Dort existierte eine integrierte Objekt- und Sicherheitenverwaltung innerhalb der Kreditlösung.

Mit der Weiterentwicklung der Banking-Architektur wurde die Sicherheitenverwaltung funktional entkoppelt und als eigenständige Komponente in SAP CMS überführt. Während frühere CML-Integrationen primär objektbezogen arbeiteten, bietet SAP CMS eine zentrale, produktübergreifende Sicherheitenplattform mit erweiterten Bewertungs- und Anrechnungsfunktionen.

Im Zuge der Transformation auf SAP S/4HANA entfällt die klassische integrierte Sicherheitenverwaltung innerhalb von SAP CML perspektivisch. Für Bestandskunden ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer strukturierten Migrationsstrategie hin zu SAP CMS.

Fachliche und regulatorische Bedeutung von Sicherheiten

Zivilrechtliche Grundlagen

 

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Kreditsicherheiten ergeben sich insbesondere aus:

  • dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)
  • dem Handelsgesetzbuch (HGB)
  • der Zivilprozessordnung (ZPO)
  • der Insolvenzordnung (InsO)

Diese Normen regeln Begründung, Durchsetzbarkeit und Verwertbarkeit von Sicherheiten, insbesondere im Insolvenzfall.

Aufsichtsrechtliche Einordnung

Eine gesetzliche Pflicht zur Hereinnahme von Sicherheiten besteht grundsätzlich nicht. Weder das Kreditwesengesetz (KWG) noch die europäische Kapitaladäquanzverordnung (CRR) schreiben konkret vor, wann Sicherheiten einzuholen sind.

Sicherheiten entfalten jedoch eine wesentliche regulatorische Wirkung:

  • Reduktion des Risikogewichts im Kreditrisikostandardansatz
  • Einfluss auf die Verlustquote (LGD) im IRB-Ansatz
  • Reduzierung der risikogewichteten Aktiva (RWA)
  • Verringerung der Eigenmittelunterlegung

Wesentlich ist die Abgrenzung: Sicherheiten sind nicht Bestandteil der PD- bzw. Ratingermittlung, sondern wirken über LGD bzw. RWA auf die Eigenkapitalanforderungen.

Anforderungen an die Sicherheitenverwaltung

Die Kreditvergabe ist mit verschiedenen Risikoarten verbunden, insbesondere dem Adressenausfallrisiko. Sicherheiten reduzieren die Verlusthöhe im Ausfallfall und sind daher ein zentrales Instrument der Risikosteuerung.

Daraus ergeben sich folgende Anforderungen an eine professionelle Sicherheitenverwaltung:

  • rechtliche Wirksamkeit und Durchsetzbarkeit
  • korrekte Beleihungswertermittlung
  • regelmäßige Neubewertung
  • Fristen- und Covenantsüberwachung
  • transparente Dokumentation
  • konsistente Reportingfähigkeit

Vor dem Hintergrund zunehmender Offenlegungs- und Meldepflichten gewinnt eine systemgestützte, konsistente Sicherheitenverwaltung erheblich an Bedeutung.

Rolle von SAP CMS in der regulatorischen Bewertung

SAP CMS geht über eine reine Verwaltung von Sicherheiten hinaus. Das System unterstützt die regulatorischen Bewertungs- und Anrechnungslogiken für Sicherheiten und bildet damit die Schnittstelle zwischen Kreditprozess, Risikosteuerung und Meldewesen.

Zu den Kernfunktionen gehören:

Risikoadjustierte Bewertung:

Ermittlung des anrechenbaren Sicherheitenwerts unter Berücksichtigung von:

  • Marktvolatilität
  • Restlaufzeit
  • Sicherheitenart
  • internen Bewertungsrichtlinien
  • Währungsinkongruenzen
Regulatorische Anrechnung:

Automatisierte Anwendung aufsichtsrechtlicher Vorgaben gemäß CRR-Standardansatz oder IRB-Ansatz.

Deckungs- und Limitprüfung:
  • Ermittlung von Über- oder Unterdeckungen
  • Unterstützung bei Nachbesicherungsanforderungen
  • konsolidierte Sicht auf Sicherheitenpools

SAP CMS ist damit integraler Bestandteil der Gesamtbanksteuerung.

IT-Architektur der SAP-Sicherheitenverwaltung

 

Die Sicherheitenverwaltung in SAP CMS basiert auf drei zentralen Entitätsarten:
  1. Sicherheitenobjekt

    Repräsentiert das Vermögensobjekt (z. B. Immobilie, Wertpapier, Mobilie), das zur Besicherung genutzt wird. Die Verwaltung kann innerhalb von SAP oder in angebundenen externen Objektverwaltungssystemen erfolgen.

  2. Sicherheitenvereinbarung

    Rechtliche und wirtschaftliche Grundlage der Besicherung. Sie definiert den Sicherungsumfang und verbindet Sicherheitenobjekte mit Geschäftswerten. Unterstützt werden u. a.:

    • Grundpfandrechte
    • Bürgschaften
    • Verpfändungen
    • Sicherungsabtretungen
  3. Geschäftswert

    Abbildung der zu besichernden Darlehen oder Verbindlichkeiten. Diese können in SAP oder in externen Kreditsystemen geführt werden.

  4.  

Funktionsumfang von SAP CMS

 

SAP CMS unterstützt sämtliche sicherheitenrelevanten Prozesse, insbesondere:

  • zentrale Stammdatenverwaltung
  • Abbildung von Zweckerklärungen
  • Bewertung und Berechnung von Sicherheiten
  • Überwachung und Fristenkontrolle
  • Ermittlung von Lasten
  • Verwertungsprozesse
  • Reporting (z. B. Sicherheitenspiegel)
  • Datenextraktion für Meldewesen und Risikoreporting
  • Korrespondenzunterstützung
  • konfigurierbares Prozessframework

Integration in die SAP-Banking-Landschaft

Ein wesentlicher Vorteil von SAP CMS ist die Integrationsfähigkeit in bestehende Systemlandschaften. Über standardisierte Services können Daten gepflegt, ausgetauscht und verarbeitet werden.

Typische Integrationsszenarien:

  • Geschäftspartner-Systeme
  • Darlehensverwaltungssysteme
  • Objektverwaltungssysteme

Dokumentenmanagementsysteme

Vorteile von SAP CMS

Der Einsatz von SAP CMS bietet Kreditinstituten:

  • standardisierte und automatisierte Prozesse
  • hohe Transparenz über den Sicherheitenbestand
  • rechtskonforme Abbildung regulatorischer Anforderungen
  • verbesserte Steuerungs- und Reportingmöglichkeiten
  • nahtlose Integration in SAP-Systemlandschaften

Einführung von SAP CMS

 

Die Einführung von SAP CMS erfordert:

  • detaillierte Datenanalyse
  • strukturierte Migrationsplanung
  • fachliche Konzeption
  • Systemimplementierung
  • umfassende Testphase

Eine sorgfältige Projektsteuerung ist insbesondere im Hinblick auf Datenqualität und regulatorische Konsistenz entscheidend.

Fazit

SAP CMS etabliert sich als zentrale Plattform für die strukturierte, regulatorisch konforme und steuerungsrelevante Sicherheitenverwaltung. Es unterstützt Kreditinstitute dabei, Sicherheiten nicht nur operativ zu verwalten, sondern systematisch in Eigenkapitalsteuerung, Risikomanagement und Reporting zu integrieren.

Insbesondere für Institute mit bestehender SAP-Banking-Landschaft bietet SAP CMS eine zukunftssichere Lösung zur konsolidierten Abbildung und Anrechnung von Sicherheiten.

Unsere Unterstützung für Ihr SAP CMS-Projekt

 

Unsere Expertinnen und Experten begleiten Sie:

  • bei der Projektplanung
  • in der fachlichen Konzeption
  • bei Implementierung und Customizing
  • während Datenmigration und Testphase

Je nach Projektbedarf unterstützen wir Sie als Business-Analysten, Entwickler oder Tester.

Unsere Experten helfen Ihnen weiter!

Bei Fragen rund um SAP CML steht Ihnen Juliane Haase gerne zur Verfügung.

Juliane Haase

innovative software
applications & consulting AG
Bergstraße 49 | 69469 Weinheim